Impfung und Vorsorge für Hund und Katze: schützen, bevor etwas passiert
Ich impfe Hund und Katze nach Bedarf, nicht nach Kalender. Welchen Schutz Ihr Haustier braucht, hängt davon ab, wie es lebt, wie alt es ist und wohin Sie mit ihm fahren.
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Die jährliche Vorsorgeuntersuchung
Der Impftermin ist oft der einzige Besuch beim Tierarzt mit einem gesunden Tier. Deshalb untersuche ich dabei gründlich: Die Impfung dauert Sekunden, der Rest ist der eigentliche Wert.
- Herz und Lunge abhören, weil ein Geräusch hier zuerst auffällt.
- Gewicht und Ernährungszustand im Vergleich zum Vorjahr.
- Maul und Zähne, damit Zahnstein nicht jahrelang unbemerkt bleibt.
- Augen, Ohren und Haut, dazu ein Blick in den Gehörgang.
- Bauch und Lymphknoten abtasten, auf Knoten und Umfangsvermehrungen.
- Gelenke und Bewegung, gerade bei Tieren über sieben Jahren.
- Blutbild bei älteren Tieren, ausgewertet im eigenen Labor.
- Ihre Beobachtungen, denn Sie sehen Ihr Tier jeden Tag und ich einmal im Jahr.
Ein Hundejahr ist grob gerechnet ein Vielfaches eines Menschenjahres. Zwölf Monate ohne Kontrolle sind also kein kurzer Zeitraum, sondern eine ganze Lebensphase. Ab etwa sieben Jahren empfehle ich deshalb, einmal jährlich ein Blutbild dazuzunehmen, weil Nieren- und Leberwerte lange abweichen, bevor man dem Tier etwas ansieht.
Wogegen ich Hund und Katze impfe, und warum nicht gegen alles
Es gibt Impfungen, die jedes Tier braucht, weil die Infektionskrankheit dahinter lebensbedrohlich ist, und Impfungen, die von der Lebensweise abhängen. Die Fachwelt nennt das Core- und Non-Core-Impfungen, und die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) und der WSAVA sind dafür die Grundlage. Was daraus für Ihr Tier folgt, besprechen wir im Termin.
Hund
Beim Hund gehören Staupe, Hepatitis (Hepatitis contagiosa canis), Parvovirose und Leptospirose zum Grundschutz, dazu Tollwut, sobald Sie ins Ausland wollen. Gegen Zwingerhusten impfe ich, wenn der Hund in die Pension, in die Hundeschule oder oft unter viele Hunde kommt. Die Grundimmunisierung beginnt in der achten Lebenswoche und besteht aus mehreren Terminen, weil der Welpe erst dann eigene Antikörper bildet, wenn der Schutz der Mutter nachlässt.
Danach wird nicht mehr jeder Hund jedes Jahr gegen alles geimpft. Staupe, Hepatitis und Parvovirose halten nach heutigem Stand deutlich länger, die Leptospirose-Impfung dagegen braucht einen jährlichen Termin. Ein Impfausweis, in dem jedes Jahr alles steht, ist deshalb kein Zeichen von Gründlichkeit.
Katze
Bei Katzen unterscheidet sich der Bedarf stark zwischen Wohnungskatze und Freigänger. Katzenschnupfen und Katzenseuche (Panleukopenie) gehören zum Grundschutz für beide, denn Erreger kommen auch an Schuhen und Kleidung ins Haus. Leukose (FeLV) ist eine Impfung für Katzen mit Freigang, weil sie sich über direkten Kontakt überträgt.
Tollwut braucht in Deutschland nur, wer reist oder in eine Pension gibt. Bei einer reinen Wohnungskatze, die das Haus nie verlässt, impfe ich sie nicht ohne Grund.
Zu den Nebenwirkungen, weil danach oft gefragt wird: Die meisten Tiere sind am Abend, nachdem sie geimpft wurden, etwas müde, manche haben eine leichte Schwellung an der Einstichstelle. Beides vergeht innerhalb von ein bis zwei Tagen. Wenn Ihr Tier danach erbricht, stark anschwillt oder apathisch wird, rufen Sie an, das gehört angesehen.
Schutz vor Zecken, Flöhen und Würmern, passend zum Tier
Hier wird viel geraten und wenig gefragt. Welches Mittel sinnvoll ist, hängt davon ab, wo Ihr Tier unterwegs ist, ob Kinder im Haushalt leben, ob es andere Tiere gibt und wie es das Mittel verträgt.
- Zecken von März bis November
- sind in Hessen die Regel, in milden Wintern auch dazwischen. Sie übertragen Borreliose und Anaplasmose, und beide sieht man dem Tier zunächst nicht an.
- Tablette oder Spot-on
- ist keine Glaubensfrage. Ein Spot-on als Zeckenmittel wirkt auf der Haut und lässt sich abwaschen, eine Zeckentablette wirkt über das Blut und ist beim Baden unabhängig. Bei Katzen kommt hinzu, dass manches Hundemittel für sie giftig ist.
- Flöhe erkennt man am Kot
- nicht am Floh. Kleine schwarze Krümel im Fell, die auf feuchtem Papier rötlich verlaufen, sind der Beweis. Dann wird nicht nur das Tier mit einem Flohmittel behandelt, sondern auch die Wohnung.
- Entwurmen nach Risiko
- statt nach Kalender. Ein Jagdhund, der Mäuse frisst, braucht öfter eine Wurmkur als ein Stadthund an der Leine. Wer nicht pauschal entwurmen will, kann stattdessen den Kot untersuchen lassen.
- Welpen und Kitten zuerst
- weil sie sich häufig schon über die Muttermilch anstecken. Der Entwurmungsplan für die ersten Lebensmonate ist enger getaktet als beim erwachsenen Tier.
- Mittelmeerkrankheiten mitdenken
- bei Reisen und bei Hunden aus dem Süden. Leishmaniose und Herzwurm werden von Mücken übertragen, dagegen hilft ein Präparat, das Mücken abwehrt.
EU-Heimtierausweis, Chip und Tollwutimpfung
Für die Reise ins EU-Ausland braucht Ihr Tier drei Dinge, und sie hängen in einer festen Reihenfolge zusammen. Wer die Reihenfolge vertauscht, muss von vorn anfangen.
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1
Zuerst der Mikrochip
Der Chip ist etwa so groß wie ein Reiskorn und wird unter die Haut am Hals gesetzt. Das Chippen geht ohne Narkose und dauert einen Moment. Er trägt eine Nummer, über die Ihr Tier eindeutig zuzuordnen ist. Er muss vor der Tollwutimpfung gesetzt sein, sonst zählt die Impfung für den Ausweis nicht.
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2
Dann der EU-Heimtierausweis
In den blauen Ausweis trage ich die Chipnummer, Ihre Daten und alle Impfungen ein. Er gilt in der gesamten EU und ist an Ihr Tier gebunden, nicht an eine Reise. Ausgestellt wird er einmal und läuft dann weiter.
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3
Zuletzt die Tollwutimpfung, mit Vorlauf
Die Tollwutimpfung ist für jede Reise ins Ausland Pflicht, und der Impfschutz gilt erst 21 Tage nach der Grundimmunisierung als wirksam. Diese drei Wochen sind nicht verhandelbar, keine Praxis kann sie verkürzen. Planen Sie den Termin also mindestens einen Monat vor der Abfahrt.
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4
Und dann die Regeln des Ziellandes
Einige Länder verlangen mehr als das Übliche, etwa eine Bandwurmbehandlung kurz vor der Einreise oder besondere Nachweise. Sagen Sie mir, wohin es geht, dann sehen wir das gemeinsam durch, bevor Sie am Flughafen stehen. Auch wichtig: Ihr Tier sollte den Chip nicht erst am Reisetag bekommen.
Der erste Besuch mit Welpe oder Kitten
Der erste Termin entscheidet mit darüber, wie Ihr Tier den Tierarzt sein Leben lang findet. Deshalb nehme ich mir dafür Zeit und fange nicht mit der Spritze an.
Wir schauen uns das Tier von Kopf bis Pfote an: Herz, Zähne, Nabel, Hoden, Gelenke, Gewicht. Dabei merkt der Welpe vor allem, dass hier nichts Schlimmes passiert. Wenn er sich anfassen lässt und danach ein Leckerli bekommt, ist für die nächsten Jahre viel gewonnen.
Danach besprechen wir den Impfplan fürs Welpenalter, den Entwurmungsplan und den Chip. Dazu die Fragen, die im ersten Halbjahr wirklich anfallen: Wie viel Futter, wie viel Bewegung, wann der beste Zeitpunkt für eine Kastration ist und woran Sie merken, dass etwas nicht stimmt.
Bei Durchfall, der bei jungen Tieren schnell gefährlich wird, gilt: früh anrufen. Ein Welpe hat kaum Reserven und trocknet innerhalb eines Tages aus. Was dann zu tun ist, steht auch unter Notfall und Erreichbarkeit.
Bringen Sie mit, was Sie vom Züchter oder aus dem Tierheim bekommen haben: Impfausweis, Chipnummer, Angaben zur bisherigen Entwurmung und zum Futter. Damit muss nichts doppelt gemacht werden.
Wenn das Gewicht zum Thema wird
Übergewicht ist die häufigste vermeidbare Erkrankung, die ich sehe. Es kommt langsam, fällt zu Hause kaum auf und belastet Gelenke, Herz und Bauchspeicheldrüse gleichzeitig.
In der Beratung rechnen wir zuerst nach, wie viel Ihr Tier tatsächlich bekommt, und zwar alles: Futter, Kauartikel, Leckerlis beim Training, der Rest vom Teller. Meistens liegt dort der Unterschied und nicht in der Futtermarke. Danach legen wir eine Menge fest, wenn nötig eine Futterumstellung, und ein Zwischenziel, das in vier Wochen erreichbar ist.
Bei Erkrankungen ist das Futter Teil der Behandlung. Eine Niereninsuffizienz, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, eine Futtermittelunverträglichkeit oder Blasensteine lassen sich ohne passende Diät nicht gut führen. Welches Futter dafür in Frage kommt, hängt am Befund und nicht an der Werbung auf der Packung.
Eine Welpin, der es schnell wieder gut ging
„Wir sind vor ca. 3 Wochen mit unserer Goldie-Welpin Polly zum ersten Mal bei Frau Dr. Cavalcanti in die Praxis nach Bad Homburg gekommen. Unsere Welpin hatte schlimmen Durchfall und verweigerte das Essen. Nach ca. 1 Stunde Anamnese und gezielter Behandlung ging es der Polly innerhalb kürzester Zeit wieder gut, wir sind sehr dankbar und glücklich darüber.“
Impfung, Untersuchung und Beratung werden nach der Gebührenordnung für Tierärzte abgerechnet, dazu kommt der jeweilige Impfstoff. Ein Termin mit einer Auffrischung ist damit überschaubar, ein Welpenbesuch mit Grunduntersuchung, erster Impfung und Chip fällt größer aus.
Sagen Sie beim Anruf, worum es geht, dann sage ich Ihnen vorab, was Sie erwartet, bei größeren Paketen als Kostenvoranschlag. Und wenn Sie mehreres zusammenlegen wollen, etwa Impfung, Chip und Vorsorgeblutbild, planen wir das in einen Termin. Das ist günstiger als drei Besuche und für Ihr Tier deutlich angenehmer.
Termin für Impfung oder Vorsorge
- Bringen Sie den Impfausweis mit, wenn Sie einen haben. Dann sehe ich, was schon läuft.
- Für die Reise gilt: früh anrufen. Eine Tollwutimpfung braucht Vorlauf, und der lässt sich nicht abkürzen.
- Beim Welpen oder Kitten planen wir gleich die ganze Grundimmunisierung, damit keine Auffrischung durchrutscht.
Montag bis Freitag, 9 bis 18 Uhr
Kirdorfer Straße 14, Bad Homburg